Entstehung

Die folgenden Essays geben einen kleinen Einblick, wie Auf einen Cappuccino entstanden ist und welche Leitmotive – neben Cappuccino und Cafés – wesentlich in die Entstehung eingeflossen sind.

Lesedauer: jeweils ca. 2-3 Minuten

Foto: In einem Café beim Schreiben.

Wie entsteht eigentlich so ein Buch?

Wie entsteht eigentlich so ein Buch?

Wenig überraschend bei einem Buch mit Kaffeehausgeschichten: In Cafés. Derer 25 waren mir schreibende Heimat, oft inmitten faszinierender Gesellschaft und pulsierendem Leben, die so manche Figur und Geschichte im Buch inspiriert haben.

Ebenso wenig überraschend: mit viel Kaffee. Ohne auf Herleitung und besorgniserregende gesundheitliche Details einzugehen, dürften über die schreibende Zeit etwa 1600 Espressi und über 300 Cappuccini in die dichtende Kehle geflossen sein. Über die dabei verzehrten Croissants wollen wir den pietätvollen Mantel des Schweigens legen…

Mit viel Lernen. Zum Beispiel, Kreativität zu erspüren, schöpferischen Raum zu schaffen, aber auch, geduldig darauf zu vertrauen, dass geistreiche Einfälle kommen werden. Oder den Frust zu bewältigen, dass sich diese leere Seite vor einem einfach nicht füllen möchte. Oder sich in Gelassenheit zu üben, dass ein schreibender Tag bereits als produktiv galt, wenn man ihm eine einzige Seite abringen konnte – vor Überarbeitungen. Immerhin befinden wir uns damit in illustrer Gesellschaft: Der große Thomas Mann, Literaturnobelpreisträger 1929, soll ungefähr eine Seite pro Tag geschrieben haben.

In Handarbeit und ohne KI. Ein aus eigener Feder geflossenes Opus.

Mit Umwegen. Man entdeckt wohlklingende, aber unnütze neue Wörter, frischt Grammatikwissen auf, das bisher dem post-schulischen Vergessen anheimgefallen war, erkennt endlich den Wert der bildenden Bemühungen der höheren Lehranstalt und bildet sich genügend sprachliche Sachkenntnis (ein), um waghalsig auf glatteisigem Gendern-Gefilde pseudo-sprachwissenschaftliche Pirouetten zu drehen, holt sich trotzdem blutige Nasen dabei, kann über selbige aber immerhin elaboriert klagen.

Übrigens zählt das Buch ungefähr eine halbe Million Zeichen. Hinzu kommen Skizzen, Formulierungsideen und Korrekturanweisungen in fast auf das Zeichen genau dem halben Umfang. Annehmend, dass jedes Zeichen, bevor es auf dem Papier verbleiben durfte, vier Mal getippt und dreimal gelöscht wurde, bestünden Buch und Beiwerk aus gut 5,5 Millionen Mal Tippen – davon 2,3 Millionen Mal delete. Dank der dabei verbrauchten Energie fühlen sich auch die zuvor verschwiegenen Croissants viel besser an.

Inspiration

Noch einige Einblicke in die Motive von Auf einen Cappuccino.

Eine Frage, die mich seit Längerem umtreibt, ist: woher bekommen wir eigentlich Inspiration?

Eine vermeintlich einfache Frage, wissen wir doch um die inspirativen Wirkungen von Reisen, Kunst und Kultur, Vorträgen, Literatur und Lesen. Aufmerksamkeit im Alltag wäre ein ergänzender Geheimtipp. Und ist uns geläufig, dass die dazugehörigen Impulse neu, andersartig oder vielfältig genug sein sollten, um unsere bisherige Welt anzuregen, ja zu irritieren. Und uns – im Kant’schen Sinne – aufgeklärte Homo sapiens erlauben, uns und unseren Horizont zu erweitern und Dinge (auch) anders zu denken.

Aber schon bei den Impulsen geht es los. Können diese aus unserem inneren Reflektieren kommen, wie jüngst eine Freundin in hellenistischer Tradition argumentierte, oder bedürfen eines externen, auslösenden Funkens – eine Perspektive, zu der ich als Cafébesucher neigen würde?

Inspiration, so mein Impulsangebot, ist vor allem eine Haltung. Offen und neugierig zu sein, hinzusehen, auszuprobieren, Überraschungen außerhalb der Komfortzone zuzulassen. Die – durchaus auch mit Anstrengung und Überwindung verbundene – Bereitschaft, Räume und Zeit für Inspiration zu schaffen. Und schließlich die Haltung, dem Neuen und Irritierenden zunächst neutral und wohlwollend zu begegnen und sich auf seine anregenden Wirkungen einzulassen.

Am vielleicht vielseitigsten inspirieren Menschen, weil wohl nichts auf der Welt eine derartige Vielfalt und Heterogenität abbildet. Wenn ihre Biographien, ihre Charaktere, ihre Lebensentwürfe und ihr Verständnis von Glück so unterschiedlich sind, dann ist auch die Chance auf Inspiration aus menschlicher Begegnung, ob kommunizierend oder beobachtend, unermesslich groß.

Der Kreis zum Buch schließt sich bei Cafés, die sich ihrerseits als ein vielschichtiger und sprudelnder Inspirationsbrunnen erweisen. Denn: Jeder kann hingehen. Damit begegnen wir in Kaffeehäusern jenem Überfluss und Reichtum menschlicher Vielfalt und dem damit einhergehenden unermesslich inspirativen Potenzial. Als inspirative Schmankerln servieren Cafés auch noch Ästhetik, Kulinarik und Historie.

Und alles zusammen inspiriert so sehr, dass daraus ein Buch entstanden ist.

Übrigens ist Inspiration begriffsgeschichtlich eine Einhauchung oder göttliche Eingabe. Wie überaus erfreulich, dass sich Cafés auch hervorragend eignen, um die „eingehauchten“ Inspirationen auf einen Cappuccino zu verdauen.

Foto: Auf der Leipziger Buchmesse, auch so ein Meer voller Inspirationen – und natürlich Cappuccino-trinkend.

Foto: In vorfreudiger Erwartung von Weingenuss.

Genuss

Noch einige Einblicke in die Motive von Auf einen Cappuccino.

Dieses Motiv gestehe ich mit Vergnügen: Genuss! Bevor mir aber der Ruf anhängig wird, ein hedonistischer Bonvivant zu sein (wobei es schlimmere Zuschreibungen gäbe…), widmen wir uns lieber einer Ode auf den Genuss!

Genuss – Schon der Gedanke an die betörenden Wirkungen eines kulinarischen Geschmacksrausches lässt ein schlemmendes Herz höherschlagen, und gesellen sich dann noch ein Füllhorn an Zutaten und ihr tänzelndes Zusammenspiel auf dem Gaumen hinzu, wird jedes kulinarische Wohlbefinden in höhere Sphären entrückt. Der rot schimmernde Wein im kunstvoll geschwungenen Glas entführt die schmausende Phantasie in die Farbenvielfalt und Geschmacksunendlichkeit der Traubensäfte und, kaum ausgetrunken, labt sich das ästhetisch schwelgende Glücksgefühl am freudvollen Anblick von Design, Gedeck und Tischaccessoires.

Einmal erquickt, betört die leidenschaftliche Hingabe, die hinter den lukullischen Freuden steht, das genussvolle Wohlbehagen mit eigener Finesse. Die Emotionen, die in ein Menü geflossen sind, die Begeisterung, mit der Köche die köstlichen Kunstwerke kreiert haben, die Vorfreude und Gastfreundschaft der Gastgeber, die Hingabe und Schaffenskraft, die im Design von Cafés und Restaurants stecken, die Handwerkskunst, mit der seit Jahrhunderten Wein kultiviert wird. Genuss sind auch die Kultur der Tafel, die Lebensart und die Ess- und Trinkkultur.

Und wenn erst die Wonnen, die mit gemeinsamer Zeit einhergehen, das genießende Antlitz mit einem strahlenden Lächeln überziehen! Kulinarik verzückt mit einzigartig vergnüglicher Verbindung und Austausch, wenn man zusammen is(s)t, wenn sie Familien und Freunde vereint und Kollegen und Geschäftspartner zusammenführt. Nicht ganz zufällig war das Letzte Abendmahl eine Mahlzeit, ein gemeinsames Essen mit Wein – welch zentrale Bedeutung ging daraus für eine der großen Weltreligionen hervor.

Der hedonistische Rausch erreicht ekstatische Sphären, wenn Kulinarik zur nährenden Belohnung nach getaner Arbeit avanciert, zum annehmlichen Ausgleich zu Stress und Alltag oder zur stilvollen Tradition zum Beginn eines Wochenendes. Sie kann wohlschmeckende Ouvertüre auf dem Weg in den Urlaub sein (der erste caffè hinter dem Brenner), magenfüllende und vorfreudig ersehnte Station einer Reise und schwelgende Erinnerung wieder zurück in heimischen Gefilden.

Übrigens genügt mir schon ein Cappuccino im Café oder ein caffè in der Bar in Italien, um so viel genussvolle Assoziation, l’art de vivre, Schönheit und Leben zu entfachen. Und genau die sind lebensfreudig, nachdenklich und vergnüglich in das Buch eingeflossen.

Aufmerksamkeit

Und dann ist da die Frage, wie sich uns Geschichten aus Cafés, aber auch allgemein Neues und die wunderbare Vielfalt des Lebens eröffnen?

Eine Antwortet lautet: Aufmerksamkeit! Dazu ein paar Gedanken.

Aufmerksamkeit ist eine Haltung: offen zu sein, das aufzunehmen, was sich durch die Sinneswahrnehmungen und durch die Aufmerksamkeit erschließt, und es mit wohlwollendem Interesse und Empathie zu betrachten. Und die Bereitschaft, sich Zeit zu nehmen, einzulassen und auch andere Perspektiven zuzulassen.

Aufmerksamkeit erzeugt ein Spannungsverhältnis. Einerseits ist sie aktives Handeln – „Ich entscheide mich, hinzusehen, zuzuhören usw.“ Andererseits lässt man sich auf Unbekanntes ein und muss darauf re-agieren. Aber die Entscheidung, sich einzulassen, ist eine selbstbestimmte. Aufmerksamkeit kann anstrengend sein, wenn man Augen und Ohren offen und Sinne wach halten muss.

Im Business ist Aufmerksamkeit auch bewusste Steuerung. Aktives Zuhören erlaubt, schneller zu verstehen und gezieltere Folgefragen zu stellen. Aufmerksames Ansehen lädt ein, zu sprechen oder einen Gedanken zu vertiefen. Beides erzeugt Fortschritt in der Zusammenarbeit und führt schneller zu Ergebnissen.

Aufmerksamkeit ist ein Kompliment. Ganz profan die Höflichkeit, anderen Zeit zu schenken und ihnen zuzuhören, was beruflich ebenso wie privat gilt. Wahrgenommene Anstrengung wertzuschätzen und Leistungen anzuerkennen. Aber auch, klassische Komplimente zu machen wie eine freundliche Geste, eine herzliche Begrüßung, ein charmantes Lächeln für Gäste oder ein Kompliment zu Stil oder Verhalten. Und das vielleicht aufmerksamste Kompliment – ein authentisches „ich nehme dich wahr, ich sehe dich“ – kann auch ein sehr starkes Führungsinstrument sein.

Aufmerksamkeit wird belohnt. Sie eröffnet Neues und Inspirationen und gewährt die Chance auf Schönes und Genuss. Und auf Geschichten aus dem Café. Sie stößt Kreativität, Innovationen und Fortschritt an. Wie viele technische Entwicklungen sind durch ein aufmerksames Studium der Natur entstanden? Sie schafft Verbindung. Wenn man wahrnimmt, beobachtet und mitfühlt, ist man in Kontakt zu anderen und zu den registrierten Eindrücken.

Und übrigens ist Aufmerksamkeit auch der Schlüssel, um die kleinen Dinge zu sehen, in denen sich oft so viel Glück verbirgt.

Foto: Manchmal lohnt ein Blick in die ausgetrunkene Tasse. Das Foto zeigt die Smileys am Boden der farbenfrohen und lächelnden Tassen des sweet spot kaffee in München, das freundlicherweise mit der Verwendung des Fotos einverstanden ist.

Wie entsteht eigentlich so ein Buch?

Wie entsteht eigentlich so ein Buch?

Wenig überraschend bei einem Buch mit Kaffeehausgeschichten: In Cafés. Derer 25 waren mir schreibende Heimat, oft inmitten faszinierender Gesellschaft und pulsierendem Leben, die so manche Figur und Geschichte im Buch inspiriert haben.

Ebenso wenig überraschend: mit viel Kaffee. Ohne auf Herleitung und besorgniserregende gesundheitliche Details einzugehen, dürften über die schreibende Zeit etwa 1600 Espressi und über 300 Cappuccini in die dichtende Kehle geflossen sein. Über die dabei verzehrten Croissants wollen wir den pietätvollen Mantel des Schweigens legen…

Mit viel Lernen. Zum Beispiel, Kreativität zu erspüren, schöpferischen Raum zu schaffen, aber auch, geduldig darauf zu vertrauen, dass geistreiche Einfälle kommen werden. Oder den Frust zu bewältigen, dass sich diese leere Seite vor einem einfach nicht füllen möchte. Oder sich in Gelassenheit zu üben, dass ein schreibender Tag bereits als produktiv galt, wenn man ihm eine einzige Seite abringen konnte – vor Überarbeitungen. Immerhin befinden wir uns damit in illustrer Gesellschaft: Der große Thomas Mann, Literaturnobelpreisträger 1929, soll ungefähr eine Seite pro Tag geschrieben haben.

In Handarbeit und ohne KI. Ein aus eigener Feder geflossenes Opus.

Mit Umwegen. Man entdeckt wohlklingende, aber unnütze neue Wörter, frischt Grammatikwissen auf, das bisher dem post-schulischen Vergessen anheimgefallen war, erkennt endlich den Wert der bildenden Bemühungen der höheren Lehranstalt und bildet sich genügend sprachliche Sachkenntnis (ein), um waghalsig auf glatteisigem Gendern-Gefilde pseudo-sprachwissenschaftliche Pirouetten zu drehen, holt sich trotzdem blutige Nasen dabei, kann über selbige aber immerhin elaboriert klagen.

Übrigens zählt das Buch ungefähr eine halbe Million Zeichen. Hinzu kommen Skizzen, Formulierungsideen und Korrekturanweisungen in fast auf das Zeichen genau dem halben Umfang. Annehmend, dass jedes Zeichen, bevor es auf dem Papier verbleiben durfte, vier Mal getippt und dreimal gelöscht wurde, bestünden Buch und Beiwerk aus gut 5,5 Millionen Mal Tippen – davon 2,3 Millionen Mal delete. Dank der dabei verbrauchten Energie fühlen sich auch die zuvor verschwiegenen Croissants viel besser an.

Foto: In einem Café beim Schreiben.

Inspiration

Noch einige Einblicke in die Motive von Auf einen Cappuccino.

Eine Frage, die mich seit Längerem umtreibt, ist: woher bekommen wir eigentlich Inspiration?

Eine vermeintlich einfache Frage, wissen wir doch um die inspirativen Wirkungen von Reisen, Kunst und Kultur, Vorträgen, Literatur und Lesen. Aufmerksamkeit im Alltag wäre ein ergänzender Geheimtipp. Und ist uns geläufig, dass die dazugehörigen Impulse neu, andersartig oder vielfältig genug sein sollten, um unsere bisherige Welt anzuregen, ja zu irritieren. Und uns – im Kant’schen Sinne – aufgeklärte Homo sapiens erlauben, uns und unseren Horizont zu erweitern und Dinge (auch) anders zu denken.

Aber schon bei den Impulsen geht es los. Können diese aus unserem inneren Reflektieren kommen, wie jüngst eine Freundin in hellenistischer Tradition argumentierte, oder bedürfen eines externen, auslösenden Funkens – eine Perspektive, zu der ich als Cafébesucher neigen würde?

Inspiration, so mein Impulsangebot, ist vor allem eine Haltung. Offen und neugierig zu sein, hinzusehen, auszuprobieren, Überraschungen außerhalb der Komfortzone zuzulassen. Die – durchaus auch mit Anstrengung und Überwindung verbundene – Bereitschaft, Räume und Zeit für Inspiration zu schaffen. Und schließlich die Haltung, dem Neuen und Irritierenden zunächst neutral und wohlwollend zu begegnen und sich auf seine anregenden Wirkungen einzulassen.

Am vielleicht vielseitigsten inspirieren Menschen, weil wohl nichts auf der Welt eine derartige Vielfalt und Heterogenität abbildet. Wenn ihre Biographien, ihre Charaktere, ihre Lebensentwürfe und ihr Verständnis von Glück so unterschiedlich sind, dann ist auch die Chance auf Inspiration aus menschlicher Begegnung, ob kommunizierend oder beobachtend, unermesslich groß.

Der Kreis zum Buch schließt sich bei Cafés, die sich ihrerseits als ein vielschichtiger und sprudelnder Inspirationsbrunnen erweisen. Denn: Jeder kann hingehen. Damit begegnen wir in Kaffeehäusern jenem Überfluss und Reichtum menschlicher Vielfalt und dem damit einhergehenden unermesslich inspirativen Potenzial. Als inspirative Schmankerln servieren Cafés auch noch Ästhetik, Kulinarik und Historie.

Und alles zusammen inspiriert so sehr, dass daraus ein Buch entstanden ist.

Übrigens ist Inspiration begriffsgeschichtlich eine Einhauchung oder göttliche Eingabe. Wie überaus erfreulich, dass sich Cafés auch hervorragend eignen, um die „eingehauchten“ Inspirationen auf einen Cappuccino zu verdauen.

Foto: Auf der Leipziger Buchmesse, auch so ein Meer voller Inspirationen – und natürlich Cappuccino-trinkend.

Genuss

Noch einige Einblicke in die Motive von Auf einen Cappuccino.

Dieses Motiv gestehe ich mit Vergnügen: Genuss! Bevor mir aber der Ruf anhängig wird, ein hedonistischer Bonvivant zu sein (wobei es schlimmere Zuschreibungen gäbe…), widmen wir uns lieber einer Ode auf den Genuss!

Genuss – Schon der Gedanke an die betörenden Wirkungen eines kulinarischen Geschmacksrausches lässt ein schlemmendes Herz höherschlagen, und gesellen sich dann noch ein Füllhorn an Zutaten und ihr tänzelndes Zusammenspiel auf dem Gaumen hinzu, wird jedes kulinarische Wohlbefinden in höhere Sphären entrückt. Der rot schimmernde Wein im kunstvoll geschwungenen Glas entführt die schmausende Phantasie in die Farbenvielfalt und Geschmacksunendlichkeit der Traubensäfte und, kaum ausgetrunken, labt sich das ästhetisch schwelgende Glücksgefühl am freudvollen Anblick von Design, Gedeck und Tischaccessoires.

Einmal erquickt, betört die leidenschaftliche Hingabe, die hinter den lukullischen Freuden steht, das genussvolle Wohlbehagen mit eigener Finesse. Die Emotionen, die in ein Menü geflossen sind, die Begeisterung, mit der Köche die köstlichen Kunstwerke kreiert haben, die Vorfreude und Gastfreundschaft der Gastgeber, die Hingabe und Schaffenskraft, die im Design von Cafés und Restaurants stecken, die Handwerkskunst, mit der seit Jahrhunderten Wein kultiviert wird. Genuss sind auch die Kultur der Tafel, die Lebensart und die Ess- und Trinkkultur.

Und wenn erst die Wonnen, die mit gemeinsamer Zeit einhergehen, das genießende Antlitz mit einem strahlenden Lächeln überziehen! Kulinarik verzückt mit einzigartig vergnüglicher Verbindung und Austausch, wenn man zusammen is(s)t, wenn sie Familien und Freunde vereint und Kollegen und Geschäftspartner zusammenführt. Nicht ganz zufällig war das Letzte Abendmahl eine Mahlzeit, ein gemeinsames Essen mit Wein – welch zentrale Bedeutung ging daraus für eine der großen Weltreligionen hervor.

Der hedonistische Rausch erreicht ekstatische Sphären, wenn Kulinarik zur nährenden Belohnung nach getaner Arbeit avanciert, zum annehmlichen Ausgleich zu Stress und Alltag oder zur stilvollen Tradition zum Beginn eines Wochenendes. Sie kann wohlschmeckende Ouvertüre auf dem Weg in den Urlaub sein (der erste caffè hinter dem Brenner), magenfüllende und vorfreudig ersehnte Station einer Reise und schwelgende Erinnerung wieder zurück in heimischen Gefilden.

Übrigens genügt mir schon ein Cappuccino im Café oder ein caffè in der Bar in Italien, um so viel genussvolle Assoziation, l’art de vivre, Schönheit und Leben zu entfachen. Und genau die sind lebensfreudig, nachdenklich und vergnüglich in das Buch eingeflossen.

Foto: In vorfreudiger Erwartung von Weingenuss.

Aufmerksamkeit

Und dann ist da die Frage, wie sich uns Geschichten aus Cafés, aber auch allgemein Neues und die wunderbare Vielfalt des Lebens eröffnen?

Eine Antwortet lautet: Aufmerksamkeit! Dazu ein paar Gedanken.

Aufmerksamkeit ist eine Haltung: offen zu sein, das aufzunehmen, was sich durch die Sinneswahrnehmungen und durch die Aufmerksamkeit erschließt, und es mit wohlwollendem Interesse und Empathie zu betrachten. Und die Bereitschaft, sich Zeit zu nehmen, einzulassen und auch andere Perspektiven zuzulassen.

Aufmerksamkeit erzeugt ein Spannungsverhältnis. Einerseits ist sie aktives Handeln – „Ich entscheide mich, hinzusehen, zuzuhören usw.“ Andererseits lässt man sich auf Unbekanntes ein und muss darauf re-agieren. Aber die Entscheidung, sich einzulassen, ist eine selbstbestimmte. Aufmerksamkeit kann anstrengend sein, wenn man Augen und Ohren offen und Sinne wach halten muss.

Im Business ist Aufmerksamkeit auch bewusste Steuerung. Aktives Zuhören erlaubt, schneller zu verstehen und gezieltere Folgefragen zu stellen. Aufmerksames Ansehen lädt ein, zu sprechen oder einen Gedanken zu vertiefen. Beides erzeugt Fortschritt in der Zusammenarbeit und führt schneller zu Ergebnissen.

Aufmerksamkeit ist ein Kompliment. Ganz profan die Höflichkeit, anderen Zeit zu schenken und ihnen zuzuhören, was beruflich ebenso wie privat gilt. Wahrgenommene Anstrengung wertzuschätzen und Leistungen anzuerkennen. Aber auch, klassische Komplimente zu machen wie eine freundliche Geste, eine herzliche Begrüßung, ein charmantes Lächeln für Gäste oder ein Kompliment zu Stil oder Verhalten. Und das vielleicht aufmerksamste Kompliment – ein authentisches „ich nehme dich wahr, ich sehe dich“ – kann auch ein sehr starkes Führungsinstrument sein.

Aufmerksamkeit wird belohnt. Sie eröffnet Neues und Inspirationen und gewährt die Chance auf Schönes und Genuss. Und auf Geschichten aus dem Café. Sie stößt Kreativität, Innovationen und Fortschritt an. Wie viele technische Entwicklungen sind durch ein aufmerksames Studium der Natur entstanden? Sie schafft Verbindung. Wenn man wahrnimmt, beobachtet und mitfühlt, ist man in Kontakt zu anderen und zu den registrierten Eindrücken.

Und übrigens ist Aufmerksamkeit auch der Schlüssel, um die kleinen Dinge zu sehen, in denen sich oft so viel Glück verbirgt.

Foto: Manchmal lohnt ein Blick in die ausgetrunkene Tasse. Das Foto zeigt die Smileys am Boden der farbenfrohen und lächelnden Tassen des sweet spot kaffee in München, das freundlicherweise mit der Verwendung des Fotos einverstanden ist.